Sie scheinen eine veraltete Version der Internet Explorers zu verwenden, die von dieser Webseite nicht unterstützt wird. Bitte nutzen Sie einen Browser wie zum Beispiel Microsoft Edge, Chrome, Firefox oder Safari in einer aktuellen Version.

Therapie ist Teamwork

Du schaust in den Spiegel und denkst: „Unglaublich! Die silbrig-weißen Schuppen auf dem Kopf sind weg. Auch die Plaques hinter den Ohren: komplett verschwunden.“ Jahrelang juckten rote Flecken an den Ellenbeugen. Auch das ist endlich vorbei. Und die von quälenden Schmerzen geplagten Finger? Die lassen sich wieder bewegen, als wäre nie etwas gewesen.

Eine Therapie mit Happy End – das Wünschen sich wohl alle zwei Millionen Menschen in Deutschland, die an Schuppenflechte leiden. Bis dahin kann es aber ein weiter Weg sein, und brechen Patienten die Therapie auf halbem Weg ab, müssen sie wieder von vorn anfangen. Bei chronischen Krankheiten ist es besonders wichtig, durchzuhalten. Doch jede zweite Person mit Psoriasis bricht die Behandlung ab, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

AdobeStock_44264433_Alexander Raths

Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, dass fast 60 Prozent der Psoriatiker nur mäßig oder noch weniger zufrieden mit ihrer Therapie sind. Als Gründe nennen die Umfrageteilnehmer unter anderem Nebenwirkungen sowie mangelnde Wirksamkeit der Behandlung. Ist das bei dir auch der Fall, hast du trotz Therapie Schübe?

Dann solltest du mit deinem Arzt über alternative Behandlungsmöglichkeiten sprechen oder, wenn du so nicht weiterkommst, dir einen anderen Partner suchen, der die Sache mit dir zusammen durchzieht.

Klipp und klar um Hilfe bitten

Viele Psoriatiker kennen ihn, den Frust: „Ich habe jeden Hautarzt in meiner Stadt durch. Ich bekam von JEDEM nur Cortison, sonst nix“, schreibt zum Beispiel Anna resigniert in einem Chat der Hautwende-Community – und kündigt an: „Das war’s jetzt.“ Aber eine andere Betroffene macht ihr Mut: „Wechsel den Arzt und sag klipp und klar, dass Du akut Hilfe brauchst.“ Dann erzählt sie von ihrem eigenen Weg zum Erfolg.

Gib also nicht auf, für die Gesundheit lohnen sich auch weite Wege. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen Dermatologen nur mal schnell auf die Haut geschaut und Patienten dann ein Rezept in die Hand gedrückt haben. Heute gibt es Therapien, die Entzündungen und neue Schübe eindämmen können. Das Ziel der Behandlung der Schuppenflechte ist heute: Symptomfreiheit!. Das ist umso wichtiger, weil Schuppenflechte eine systemische Krankheit ist. Sie kann sich nicht nur auf deiner Haut ausbreiten, sondern auch andere Organe, Gewebe und das Skelett betreffen.

Mit einem Partner die passende Strategie entwickeln

Doch wie findest du die für dich geeignete Therapie? Dafür suchst du dir am besten einen erfahrenen Partner, dem du vertraust. So wie ein Boxer, der mit seinem Trainer eine Strategie entwickelt, um den Gegner in die Knie zu zwingen. Übertragen auf die Therapie deiner Psoriasis heißt das: Du bist der Boxer, dein Arzt ist der Coach. Er schlägt neue Therapien vor, stellt dich perfekt auf den Gegner Schuppenflechte ein. Und erklärt dir, wie du deinen Kontrahenten nicht unnötig stark werden lässt und wie du ihn am besten ausknocken kannst. Die Basis der Zusammenarbeit sind Vertrauen und Verständnis. Nur wenn du dem Arzt alles anvertraust und verstehst, was bei der Therapie passiert, kannst du auch unerwartete Schläge der Psoriasis parieren.

Was also provoziert deine Schuppenflechte? Die Auslöser sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Einige müssen sich nur kratzen, und schon kommt ein Schub. Bei anderen führt Stress zum nächsten Push der Schuppenflechte. Wie heftig die Haut reagiert, bestimmt dein Arzt mit Messverfahren wie PASI und BSA.

Damit du und dein Arzt aber herausfinden könnt, wann dein Immunsystem durchdreht, kannst du ein Tagebuch führen und darin notieren, in welchen Situationen die Beschwerden schlimmer werden. Das kann ein „altbewährtes“ Therapietagebuch sein oder du nutzt zum Beispiel eine Gesundheits-App wie MyTherapy. Der digitale Assistent bietet neben der Tagebuchfunktion auch einen digitalen Kalender, um Termine für Kontrolluntersuchungen, Blutabnahmen und Medikamenteneinnahmen zu koordinieren. So gehen keine Informationen verloren, die für den Arzt wichtig sind.  Mit all den Informationen kannst du dann gestärkt ins Arztgespräch gehen.

Den Gegner mit Regeln bezwingen

Wer Erfolg haben will, muss sich strikt an den Matchplan halten, also an die Therapievorgaben. Durchhänger verschaffen dem Gegner unnötige Vorteile. Deshalb erklärt dir dein Arzt genau, wann und wie du die Medikamente einnimmst.

Der Arzt ist auch dein Ansprechpartner, wenn du plötzlich ins Grübeln kommst, weil du den Beipackzettel mit den möglichen Nebenwirkungen gelesen hast. Was ist davon zu halten? Wie oft kommt das vor? Was kannst du dagegen tun? In der Regel wird dir dein Coach dazu raten, cool zu bleiben und weiterzumachen. Schließlich gewinnt auch im Ring zumeist der Sportler mit den besseren Nerven.

Den inneren Schweinehund besiegen

Ein echter Tiefschlag ist es, wenn während der Therapie ein Schub einsetzt. So etwas kommt vor. Möglicherweise musst du dann mit deinem Arzt die Strategie wechseln, also die Therapie anpassen. Eines solltest du aber nie tun: auf eigene Faust die Medikamente absetzen oder die Dosierung ändern. Und schon gar nicht solltest du hinschmeißen, wie es zwei von fünf Patienten in den ersten zwei Jahren der Behandlung tun.  

Die Gründe für den Abbruch? Da hat jeder Betroffene seine eigenen Motive. Manche wollen eine Medikamentenpause einlegen, aus Angst vor Nebenwirkungen. Andere werden nachlässig: eine Tablette hier, eine Spritze da – warum? Die Haut ist doch in Ordnung. Der Kontrolltermin beim Arzt? Keine Zeit, zwei Wochen später reicht auch. Falls diese Gedanken kommen, bleib stark und trotzdem dran. Such dir Unterstützung, in der Familie, beim Partner, bei Freunden. Gehst du nicht über die volle Distanz, gibst du der Schuppenflechte die Chance auf ein Comeback.

Wenn du mehr über die Krankheit wissen willst, hör doch in den Webtalk mit dem Göttinger Hautarzt Prof. Dr. Michael P. Schön und Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink rein. Der ehemalige Leistungssportler lebt seit vielen Jahren mit Psoriasis und weiß, wie sich der Kontrahent Schuppenflechte in Schach halten lässt.