Sie scheinen eine veraltete Version der Internet Explorers zu verwenden, die von dieser Webseite nicht unterstützt wird. Bitte nutzen Sie einen Browser wie zum Beispiel Microsoft Edge, Chrome, Firefox oder Safari in einer aktuellen Version.

„Sorry, hab noch was vor“ – warum Jens alle Mädchen abblitzen lässt

„Wow, was für ein Typ“, denke ich jedes Mal, wenn Jens, der eigentlich einen anderen Namen hat, zu uns in die Hautarztpraxis kommt: 23 Jahre alt, lockeres Shirt, Designerjeans, Basecap – so schlendert er lässig ins Untersuchungszimmer. Er wirkt wie ein cooler, selbstsicherer Mann, den nichts umhauen kann. Man könnte meinen, er arbeitet als Model. „Doch bei den Mädchen läuft außer Knutschen nichts“, erzählt er mir im Vertrauen. Die roten, schuppenden Stellen auf seinem Body machen ihn verwundbar. Ich frage vorsichtig: „Und was ist mit Zärtlichkeit, Liebe, Sex?“ Jens sagt trotzig: „Keinen Bock.“

iStock-501224816_martin-dm

Psoriasis befällt auch Penis und Schamhügel

Jens versteckt die Schuppenflechte lieber unter stylishen Klamotten, anstatt offen zu ihr zu stehen.  Mir tut es weh, wenn ich sehe, wie sehr Patienten manchmal leiden – körperlich und seelisch. Nicht nur junge Leute. Auch  Menschen, die bereits mitten im Leben stehen, verschanzen sich oft hinter einem dicken Schutzwall, weil sie Angst haben, dass sich andere vor ihnen ekeln.    

Jens steht also eigentlich für viele Menschen mit Schuppenflechte: Manager, Bauarbeiter, Mütter, Angestellte, Rentner, Studenten. Jeden Tag kommen Dutzende Psoriasis-Patienten zu uns in die Hautarztpraxis. Als Medizinische Fachangestellte komme ich mit vielen ins Gespräch: „Na, wie geht’s?“ Manche antworten einsilbig: „Gut.“ Andere sind froh, dass sie ehrlich reden können: „Ich gehe nicht mehr zum Sportverein.“ „Meine Frau hat mich aufs Sofa verbannt.“ „Ich esse jeden Tag allein in der Kantine.“ Traurig denke ich oft: Sie werden ausgegrenzt, nur weil sie krank sind.

Noch schlimmer ist es, wenn die Schuppenflechte auch den Intimbereich befallen hat: Hoden, Penis, Gesäßfalten. Jeder dritte Psoriasis-Patient leidet unter diesen Symptomen. Übrigens auch Mädchen. Doch das Thema ist tabu. Die meisten schweigen darüber.

Einmal saß eine Frau vor mir und weinte sich die Augen aus. Ich merkte, dass sie ihren ganzen Mut zusammennahm: „Frau Baeblich, ich habe entzündete Stellen unter den Brüsten und auf dem Schamhügel. Beim Sex tut es so weh.“ Und dann erzählte sie schluchzend vom Streit mit ihrem Partner. Der hatte wütend die Wohnung verlassen, weil sie nicht wollte, dass er sie anfasst. Die Patientin sah mich nicht an, weil ihr das Thema so peinlich war. Dabei hatte sie einen ganz wichtigen Schritt getan: sich geöffnet.

„Keine soll mich nackt sehen“

Genau wie Jens. Er hat mir im Vertrauen erzählt, dass  die Mädchen ihn schon Macho nennen, weil er alle anbaggert und dann doch abblitzen lässt: „Sorry, hab noch was vor.“ Ich habe vorsichtig gefragt, warum er das macht. Er antwortete ehrlich: „Keine soll mich nackt sehen.“

Ich bin froh über so viel Vertrauen. Denn Vertrauen ist der Schlüssel zur Hilfe. Wenn der Hautarzt weiß, wie sehr die Patienten in der Schule, im Beruf, in der Freizeit oder Partnerschaft unter der Schuppenflechte leiden, kann er die Therapie besser anpassen. Jens  hat inzwischen den DLQI-Fragebogen ausgefüllt: zehn Fragen, die dem Dermatologen bei der Beurteilung helfen, wie sehr die Psoriasis die Lebensqualität einschränkt – auch in Bezug auf Liebe und Partnerschaft.
Die Behandlung hat bei beiden Patienten angeschlagen, die meisten Plaques sind abgeheilt. Jens hat neulich erzählt: „Ich habe ein Date!“ Ich hoffe, er findet den Mut, offen mit sich  und der jungen Frau zu sein. Schließlich wird die Krankheit ihn das ganze Leben lang begleiten.

Sex mit Schuppenflechte: So klappt es im Bett

Sechs Tipps, damit Partnerschaft und Sexualität gelingen

  • Meist hilft schon ein Kondom, um die Haut zu schonen – falls keine Latexallergie besteht. Am besten eines ohne Geschmack, weil Inhaltsstoffe die Haut reizen könnten.
  • Besser Gleitgels und Fettcremes ohne Parfum verwenden.
  • Ausziehen braucht Mut – auch bei Menschen mit makellosem Teint. Gedimmtes Licht sorgt für Romantik.
  • Wer sich rasieren möchte, lieber elektrisch, um Reizungen zu vermeiden.
  • Eine sanfte Massage kann Lust machen, auch Sexspielzeuge turnen an.
  • Bei einem Schub will man sich oft nur verkriechen. Ein Kuschelabend bei Kerzenschein ist gut für die Seele.  

Wenn ihr mehr über Sex und Partnerschaft bei Psoriasis wissen wollt, hört doch mal in den Hautwende-Podcast „Unter die Haut“ von Julius und Ines rein.